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Der Wald ruft – Veröffentlichung: DÜSSELDORF LEBT GESUND!

05.07.2019. Aktuelle Pressemeldung, Quelle: DÜSSELDORF LEBT GESUND!, Gesundheitsmagazin der Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH, Düsseldorf; Ausgabe 2019/2020. Um gesund zu bleiben denken wir oft nicht an das Naheliegendste: uns in der Natur aufzuhalten. Aus Japan stammt die Methode Shinrin Yoku, was übersetzt soviel wie Waldbaden bedeutet und mittlerweile auch in Deutschland populär ist. 

Kennst Du Waldbaden?, frage ich meine Freundin. „Waldbaden? Baden im Wald? Vielleicht auch noch nackt?“ Wir müssen beide lachen. Dann erzähle ich ihr mehr von Shinrin Yoku – so die japanische Bezeichnung dieser besonders achtsamen Art und Weise, die Natur zu erleben. Japanisch deshalb, weil das Waldbaden seinen Ursprung im Land der aufgehenden Sonne hat. Bereits in den 80er-Jahren entwickelte es sich dort zu einer anerkannten Methode zur Stressbewältigung. Seit einigen Jahren wird auch in Deutschland waldgebadet. Seit 2017 befasst sich sogar ein eigener Lehrstuhl an der Ludwig-Maximilians-Universität in München mit dem Thema.

Shinrin (Wald) und Yoku (Bad) bedeutet, die Atmosphäre des Waldes beim langsamen Schlendern mit allen Sinnen wahrzunehmen. Ein Bad im Wald ist demnach mehr als ein gewöhnlicher Waldspaziergang – das stelle ich schnell fest, als ich es mit Karin Wiessmann, zertifizierte Kursleiterin für Waldbaden ausprobiere: Ich tauche also ein in den Wald, beobachte einen gelb leuchtenden Zitronenfalter, der durch das Unterholz flattert. Ich gehe ein Stück des Weges barfuß, um noch näher an der Natur zu sein, spüre den kühlen Waldboden, nehme etwas modriges Laub in meine Hände und rieche daran. Ich lausche dem Vogelzwitschern und dem Rauschen des Baches. Ich lasse mich „von einem Baum finden“, berühre ihn – nein ich umarme ihn nicht – und lehne meinen Kopf an seine Rinde, während die warmen Sonnenstrahlen mein Gesicht kitzeln. Ich genieße den Augenblick, denke an nichts und fühle mich irgendwie in meine Kindheit zurückversetzt.

„Durch Erholungsübungen, also kleine angeleitete Achtsamkeits- und Wahrnehmungs- und Atemübungen, und eine bewusste körperliche und gedankliche Langsamkeit werden der Alltag beiseitegelegt und das Gedankenkarussell entschleunigt“, erklärt mir Karin Wiessmann aus Meerbusch, die sich an der Deutschen Akademie für Waldbaden ausbilden ließ. „Wer offen dafür ist, sich auf die Natur einzulassen, wird schnell davon profitieren.“ Bei manchen Teilnehmern in ihren Kursen dauert es hingegen etwas länger, bis der positive Effekt einsetzt. Ihnen fehlt es häufig an Zeit und Geduld. Es fällt ihnen schwer, die Stille auszuhalten, weil sie meist beruflich oder auch privat sehr eingespannt und deshalb stark angespannt sind. Sie können nicht gut loslassen oder etwas tun, ohne (besonderes) Ziel beziehungsweise (tieferen) Sinn, um einfach „nur“ den Moment zu genießen, meint Wiessmann.

Ich atme die frische Waldluft ein. Das tut nicht nur unheimlich gut, sondern spielt beim Waldbaden auch eine besondere Rolle. „Das Einatmen der bioaktiven Substanzen – der Terpene- wirkt messbar positiv und stärkt das menschliche Immunsystem“, erläutert Wiessmann.

Man weiß, dass Pflanzen über diese Terpene miteinander kommunizieren, sich gegenseitig warnen, um sich beispielsweise vor Schädlingen zu schützen. Man weiß inzwischen aber auch, dass sie auf Menschen ebenfalls eine heilsame Wirkung haben, denn Waldluft erhöht und aktiviert die natürlichen Killerzellen im Körper. Ein Bad im Wald senkt außerdem den Blutdruck und den Blutzuckerspiegel und verbessert die Schlafqualität. Das Stresshormon Cortisol wird abgebaut, und Anti-Krebs-Proteine werden vermehrt produziert.

Beim Waldbaden werden zudem die Selbstheilungskräfte und somit die geistige und körperliche Regeneration gefördert – und das schon beim bloßen Anblick der Bäume und Pflanzen, wie Versuche in Krankenhäusern gezeigt haben. Durch diese Naturreize werden im menschlichen Körper in Verbindung mit der Psyche Mechanismen in Gang gesetzt, die etwa eine schnellere Wundheilung von operierten Patienten sowie eine geringere Verwendung von Schmerzmitteln bewirkt haben. Diese Heilwirkung machen sich in Norwegen bereits einige Krankenhäuser zu nutze, indem sie Waldkabinen mit viel Holz und Blick ins Grüne für ihre Patienten errichten.

„Wir sind ein Teil der Natur und auf vielfältige Art und Weise mit ihr verbunden“, sagt Wiessmann. In einer Konsum- und Leistungsgesellschaft wie der unseren sei es ihrer Meinung nach überlebenswichtig, dass wir den Kontakt zur Natur wiederherstellen, ihn pflegen und vertiefen. „Damit unsere Sinne nicht verkümmern und wir geistig und körperlich gesund bleiben“, erzählt sie. Das Waldbaden sei eine hervorragende Möglichkeit dazu.

Dabei muss es gar kein besonderer Wald sein, den man langsam und achtsam erkundet. Schließlich kommt es nicht auf die Wegstrecke an, sondern auf die Zeit, die man bewusst in der Natur verbringt. Das geht selbst in kleinen Parks und Stadtgärten. Auch die Begleitung durch Waldbademeister ist gar nicht unbedingt erforderlich. Wer das Waldbaden als Einzelperson oder in einer Gruppe in einem Kursus oder Seminar kennengelernt hat, der wird künftig vermutlich ebenso gern alleine in den Wald zurückkehren. Ich komme auf jeden Fall wieder.

Artikel als PDF, Gesundheitsmagazin DÜSSELDORF LEBT GESUND! Ausgabe 2019/2020:

Der Wald ruft_PM Düsseldorf lebt gesund!_Rheinische Post v. 05.07.2019

Text: Miriam von Chamier, Fotos: Melanie Zanin, Rheinische Post

Mit freundlicher Genehmigung zur Veröffentlichung.

 

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